Engagement in der Heimat

Die Heimat mit der Familie, Verwandten und FreundInnen war Birgit Nilsson immer wichtig. Sie erzählte gerne, dass sie auf dem Land aufgewachsen war. Die Liebe zur Heimat hatte ihre ganze Karriere lang Bestand. Nachdem sich Birgit von den großen Opernbühnen zurückgezogen hatte, konnte sie der Heimat mehr Zeit widmen.

pageImage

Konzert in Västra Karups Kirche 1971. Foto: Hans Karlsson

pageImage

Konzert in Västra Karups Kirche 1979. Foto: Eje Sjölander.

Birgit vergaß nie ”die Daheimgebliebenen“ während ihrer Karriere. In ihren Briefen und Postkarten nach Hause erkundigte sie sich bei ihrem Vater über neue Einkäufe, über die Erntezeit und andere Aspekte des Lebens am Bauernhof. Sie dachte immer daran, Verwandten und Freunden zum Geburtstag oder zu anderen besonderen Anlässen zu gratulieren. Birgit sprach gerne mit Journalisten und Kollegen über ihre Erinnerungen an zuhause: den Hof, die Jugendjahre, das Amateurtheater, den Kirchenchor, die Gefährten und Radtouren.

Sommer und Gesang auf Bjäre

In den 1940er Jahren verbrachte Birgit die Sommerferien daheim bei den Eltern in Svenstad. Sie half bei den täglichen Arbeiten am Hof mit. Hie und da gab Birgit in der Heimat Auftritte. Sie sang bei Gottesdiensten, an verschiedenen Vergnügungsorten und in Tanzlokalen. Die Kirchen waren für sie zu jener Zeit die wichtigsten Gesangslokale. Bevor Birgit 1944 in der Opernschule in Stockholm aufgenommen wurde, war ihr Ziel, Kirchensängerin zu werden. Die fantastische Akustik der Bauwerke passte perfekt zu Birgits großartiger Stimme.

Konzerte auf heimischem Boden

1955 erhielt Birgit eine Anfrage von Bjäre Härads Hembygdförening (Heimatverein der Gemeinde Bjäre). Sie fragten, ob sich Birgit vorstellen könne, bei einem Benefizkonzert zugunsten des Vereins und des neuen Heimatparks mitzuwirken. Dies wurde der Anfang einer Konzertreihe, die sich über ein halbes Jahrhundert erstrecken sollte. Die Konzerte wurden an verschiedenen Orten im Heimatdorf abgehalten, bevor schließlich Västra Karups Kirche als Veranstaltungsort gewählt wurde. Nach und nach wurden diese „Birgit Nilsson-Konzerte“ nicht nur in Schweden, sondern auch unter Opernfreunden in der ganzen Welt zu einem Begriff. Das letzte Konzert für die Heimat, an dem Birgit selbst als Solistin mitwirkte, wurde in Västra Karups Kirche 1984 gegeben. Die Konzerte wurden mit anderen SolistInnen weitergeführt und galten als prestigereiche Events der klassischen Musikwelt. Jedes Jahr erhielt der Heimatverein Briefe und Anrufe von SängerInnen und MusikerInnen, die an einem Birgit Nilsson-Konzert mitwirken wollten. Birgit fuhr viele Jahre lang fort, dem Verein in verschiedenen Belangen zu helfen. Als Faktotum war sie unter anderem Eröffnungsrednerin, Organisatorin, Inspiratorin und Conférencière für Konzerte. Sie engagierte außerdem eine Vielzahl anderer großer KünstlerInnen: Gösta Winbergh, Mari Anne Häggander, Gitta-Maria Sjöberg, Susanne Resmark, Nina Stemme, Helena Döse und andere. Birgit war es außerdem ein Anliegen, junge regionale Talente zu fördern, die an den Konzerten mitwirken durften. 2002 wurde das letzte von insgesamt 38 Konzerten für die Heimat veranstaltet.