Kritiker und Fans

Auf der Bühne war Birgit Nilsson tonsicher und dramatisch mit einer fantastischen Ausstrahlung. Zeit ihrer Karriere erhielt sie viele begeisterte Kritiken in Zeitungen auf der ganzen Welt und wurde mehrere Male mit Standing Ovations bedacht, lange nachdem sie die Bühne verlassen hatte.

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Birgit gibt Autogramme nach einem Konzert 1982. Fotograf Lars Persson

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Birgit signiert ihr Buch 1979. Fotograf unbekannt.

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Birgit umringt von Fans bei der Ankunft in Buenos Aires im September 1971. Privataufnahme.

Nach Birgits Debüt als Agathe an der Königlichen Oper in Stockholm 1946 schrieb Folke Hähnel in der Zeitung Dagens Nyheter: ”Diese junge Dame hat das Glück, einen ungewöhnlich klangschönen Sopran mit dramatischer Expansionskraft zu besitzen. Man sucht vergeblich nach ein paar Zurechtweisungen, die man ihr geben könnte. Der Registerausgleich ist für eine Debütantin erstaunlich gut ausgeführt, und die Stimme ist natürlich und frei platziert, ohne Ansätze störender Beiklänge... Dass sie ein bisschen überdrüssig wirkte bei dem vielen Stillsitzen kann ja von einem dramatischen Temperament herrühren; das wird die Zukunft zeigen.“

Birgits Erfolge außerhalb Schwedens

Nicht nur in ihrer Heimat Schweden wurde man durch die Begabung der neuen Sängerin in Staunen versetzt. Nach der Premiere von Brünnhilde in Wien schrieb Herbert Schneiber im Neuen Kurier: „Birgit Nilssons Brünnhilde war sowohl akustisch als auch visuell rundum ideal. Ein hochdramatischer Sopran mit einer derartigen stimmlichen Expansionskraft, Glanz und Ausdrucksvermögen, der meistens nur in schwärmerischen Erinnerungen unter der Rubrik Es war einmal zu finden ist. Birgit lernte Wien lieben und die Wiener liebten Birgit. Ihr Gesang galt als legendär, und sie wurde als Nachfolgerin von Maria Jeritza zu Wiens langjährigem großen Star ernannt. Sowohl Kritiker als auch Kollegen hatten viel Gutes über Birgit Nilsson zu erzählen. Der weltberühmte Dirigent Karl Böhm sagte einmal zu Birgit: „Wenn du aufhörst, zu singen, werde ich aufhören, zu dirigieren!“ Wieland Wagner sagte an einer Stelle, dass „Nilsson berühmt war, bevor sie groß herauskam“, und spielte auf das Debüt an der Metropolitan an. Ernest Newman war einer der weltweit führenden Musikkritiker. Er verfasste eine Rezension in der Sunday Times nach einer von Birgits Gastvorstellungen in Covent Garden. Darin schrieb er: „Ich bin froh, dass es mir vergönnt war, so lange zu leben, dass ich eine junge Brünnhilde sehen und hören durfte, die so reif für eine solche Leistung ist und noch dazu so viel für die Zukunft verspricht wie Birgit Nilsson.“

Nachrufe aus der ganzen Welt

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Birgit und ein junger Bewunderer.

Als sich die Nachricht über Birgit Nilssons Ableben 2005 verbreitet hatte, erschienen viele Artikel über das Leben des Opernstars. Freunde, Kollegen, Opernchefs und Fans drückten ihre Anteilnahme in der Presse aus. Schwedens König Carl XIV Gustaf gab über den Hof eine Stellungnahme ab: „Mit Birgit Nilssons Ableben hat Schweden einen seiner größten Künstler verloren. Jene, die das Privileg hatten, sie sowohl auf der Bühne als auch privat zu erleben, werden dies nie vergessen, insbesondere nicht ihren warmen Humor. Dank unzähliger Aufnahmen wurde ihr Gesang auch für die Nachwelt bewahrt. Mit großer Dankbarkeit erinnern wir uns an ihre Kunst. In der Berliner Morgenpost schrieb der Musikjournalist Klaus Geitel: ”Sie sang in ihrem langen, wunderbaren Leben bis zur Erreichung einer Schlüsselfigur der Wagneropern. Aber sie war nicht nur eine Wagner-Sängerin. Sie war Strauss‘ Elektra. Sie war Puccinis Turandot. Sie strahlte in allen Rollen; kühl, aber stimmlich den meisten Kollegen überlegen.” Enrico Girardi, respektierter Musikkritiker in der italienischen Corriere della Sera, schrieb: „Sie war eine der größten dramatischen Sopranistinnen aller Zeiten. Ihre schärfste Waffe war ihre Intelligenz.“ In der New York Times stand: ”Ihre Stimme bekam im Laufe der Jahre mehr Pathos, aber man erinnert sich vor allem an ihren Klang dank ihrer Muskeln, Präzision und reinen Singfreude unter den herausforderndsten Umständen. Birgits Stimmstärke wurde oft hervorgehoben. Viele Kritiker meinten, dass Birgit Nilsson wie dafür geschaffen war, auf der Bühne zu stehen, und dass ihre Stimme auf Studioaufnahmen nicht wirklich voll zur Geltung kommen konnte. The Guardian schrieb, dass es unwahrscheinlich sei, dass Birgit Nilssons Isolde und Brünnhilde je erreicht und schon gar nicht übertroffen werden würden.

Eine Weltkünstlerin mit Sinn für Humor

Unter all diesen Ehrungen und schönen Nachrufen gibt es vor allem ein paar, die insbesondere Birgit Nilssons Kunst zusammenfassen. Stefan Johansson schrieb im Svenska Dagbladet: „Man kann sich leicht in Superlativen über ihre Stimme verlieren, aber in erster Linie war sie eine große Künstlerin“. James Levine, Chefdirigent an der Metropolitan seit 1973, sagte: „Birgit war einzigartig. Ihre Stimme, ihre Kunst, ihr Sinn für Humor und ihre Freundschaft waren eine Klasse für sich.“